ALTE LEDERFABRIK
SIEGHARD WATZKE
Kunst ist seit jeher sein kreatives Ausdrucksmittel. Im Vordergrund steht die gegenstandslose Malerei in einer expressiven informellen Bildsprache – und immer der Mensch.
„Ich schöpfe meine Ideen aus dem Wort, das Wort leitet mich durch das Bild“, erklärt Sieghard Watzke, der sich in seinem Atelier in der „Alten Lederfabrik“ in Halle (Westf.) von der besonderen Atmosphäre der historischen Mauern inspirieren lässt. Das kann etwa ein Zeitungsartikel sein, in dem eine Lehrerin um mehr Respekt bittet: Ein bedeutsames Thema, dem der Künstler eine ganze Serie widmet. Worte und Texte fließen in unterschiedlichster Form in seine Bilder ein. Manchmal „nur“ als Idee, mitunter buchstäblich. Teils als sichtbare Bestandteile des Kunstwerks, teils übermalt – aber, so Watzke: „Der Betrachter spürt noch die Energie.“
Immer wieder Neues auszuprobieren, gehört für den Steinhagener dazu, um sich weiterzuentwickeln. Dafür geht er mit offenen Augen durchs Leben und experimentiert mit verschiedensten Materialien. Neben Acryl- und Ölfarben, Tuschen, Kohle und Kreide kommen Sand, Schellack, Aschen und Wachs zum Einsatz – und nach dem einen oder anderen Heimwerker-Projekt auch mal Bitumen oder Kleister. Ein Kriterium gilt dennoch für all seine Werke: „Da muss ein ganzer Watzke drinstecken!“ Sonst, sagt der 74-Jährige, strahlt das Bild nicht aus, was beabsichtigt ist. Dann wird es von dem Künstler, der sich als „Geburtshelfer“ für das Werk betrachtet, nicht in die Welt entlassen.
In Anlehnung an Nelson Mandelas Lebenswerk arbeitet er an der Serie „Der lange Weg zur Freiheit“, auch direkt in der inspirierenden Kulisse Südafrikas. Großen Einfluss auf sein Werk hat außerdem Emil Schumacher, den Sieghard Watzke sehr verehrt: „Die Linie ist eines meiner wichtigsten Motive. Sie signalisiert für mich Anfang und Ende, mit vielen Umwegen und Unterbrechungen.“ Gerade so wie das Leben selbst.
Anekdote Frau Fehrenkötter:
Ehrensache
Lange nachdem ich nach dem Tod meines Vaters die „Alte Lederfabrik“ übernommen hatte, stieß ich durch Zufall auf einen „Überraschungs-Mieter“, der auf keiner Mieterliste auftauchte. Er „mietet“ einen kleinen Lagerraum, dessen Existenz noch gar nicht aufgefallen war: Es war eine alte Abmachung mit meinem Vater, die ich natürlich übernommen habe.





