PUDELBESUCH BEI DEN FÜCHSEN
SCHULHUND IN DER BRACKWEDER VOGELRUTHSCHULE
Morgenkreis, Deutsch, Mathe. Der Stundenplan der Fuchsklasse in der Vogelruthschule klingt vertraut. Doch die fünfte Schulstunde trägt einen besonderen Namen: „Hundezeit“. Die Zweitklässler, sieben bis neun Jahre alt, freuen sich an diesem Donnerstag über den Besuch des dreijährigen Eumel. Der Kleinpudelrüde kommt regelmäßig in die Brackweder Grundschule.
„Der Schulhund ist gut für das Lernklima und stärkt die Empathiefähigkeit der Kinder“, erläutert Xenia Riebschläger. Seit November 2025 arbeitet sie als Lehrerin in der Grundschule, die sich dem gemeinsamen Lernen verschrieben hat. Hier werden 190 Kinder mit unterschiedlichem Lern- und Förderbedarf unterrichtet. An einzelnen Tagen nimmt die 29-Jährige ihren speziell geschulten Hund mit. Um eine entsprechende Erlaubnis zu erlangen, mussten die beiden zwei Jahre lang eine Ausbildung zum Therapie- und Schulbegleithundteam absolvieren. Damit Hunde sich in der wuseligen Umgebung wohlfühlen und die Kinder unterstützen können, müssen sie ruhig agieren, menschenfreundlich und stressresistent sein.
Der Einsatz in der Grundschule im Bielefelder Süden folgt klaren Vorgaben, die vorher in allen acht Klassen besprochen wurden. Die Regeln sind auch im Klassenraum sichtbar. „Eumel wird nicht gerufen. Er entscheidet selbst, wohin er geht!“, heißt es da, oder: „Auf seiner Decke wird Eumel in Ruhe gelassen“.
Wenn es dem Hund zu viel wird, hat er nicht nur eine Decke, sondern auch einen Rückzugsraum. Natürlich musste die Schule im Vorfeld auch Fragen zu Hygiene und Versicherungen klären und Genehmigungen einholen, worauf Schulleiter Matthias Haße hinweist. Doch der Aufwand habe sich gelohnt. Von den bisherigen Erfahrungen mit dem Vierbeiner zeigt er sich sehr angetan: „Der Hund trägt zu einer guten Lernatmosphäre bei, er sorgt zum Beispiel für mehr Ruhe und eine höhere Aufmerksamkeit im Klassenraum.“
Die Kinder freuen sich sehr auf den Besuch. „Eumel ist süß“, schwärmt ein Junge aus der Fuchsklasse, eigentlich finden das alle im Stuhlkreis. „Wenn Eumel da ist, sind wir besonders leise“, erklärt ein Mädchen.
„Eumel ist an seinen Besuchstagen in den ganz normalen Unterricht integriert“, führt Xenia Riebschläger aus. Der Hund kann etwa im Mathe- oder Deutsch-Unterricht Aufgaben mittels Würfel oder Drehrad stellen. Zudem übernehmen Kinder spezielle Dienste wie den Tür- oder Wasserdienst, wenn Eumel in ihrer Klasse ist. Die Kinder würden nicht nur rücksichtsvoll mit ihm umgehen, sondern könnten auch Ängste überwinden oder sich an der Seite des Hundes besser konzentrieren, bestätigt die Lehrerin.
Schon von klein auf konnte sie sich für Hunde begeistert. Während ihres Studiums an der Universität Bielefeld beschäftigte sie sich mit Schulbegleithunden und wählte sie als Thema für ihre Masterarbeit aus. Ganz bewusst hat sie sich für den Erwerb eines Hundes entschieden, der als Schulbegleiter in Frage kommt.
Immer wenn sie Eumel mit in die Schule nimmt, bekommt er sein Halstuch umgebunden. Das Tuch hat die vielen Gerüche in der Schule aufgenommen und hilft Eumel bei der Orientierung. Ein- bis zweimal pro Woche kommt er dann mit in einzelne Klassen oder den Einzelsprachunterricht. Welche Erfolge und Erlebnisse mit seinem Besuch zusammenhängen, hält die Lehrerin in einer Einsatzdokumentation fest.
Eines steht in jedem Fall fest: An den Schulhundtagen ist Xenia Riebschläger doppelt gefordert. Der Fokus liegt sowohl auf den Schülerinnen und Schülern als auch auf dem Hund. „Nach einem Schultag bin ich mit Eumel viel draußen unterwegs, wo er rennen und sich austoben kann.“





