HEIMATMENSCH
WILLIBALD BERNERT
Willibald A. Bernert hat „seinen Traum gelebt“. Der führte den Tausendsassa quer durch die Welt.
Fotoredakteur, Autor, Filmemacher, Taucher, Tierschützer, Globetrotter: Willibald Bernerts Karriere ist nicht leicht zusammenzufassen. Der heute 86-Jährige wird in Schlesien geboren, kommt als Kind mit seiner Familie nach Bielefeld. Die finanziellen Mittel sind begrenzt. Das hält ihn nicht davon ab, sich mit Projekten einen Namen zu machen, die den Rahmen jeder Berichterstattung sprengen.
„Das ist ziemlich eigenartig“, antwortet Bernert schmunzelnd auf die Frage, wie man so vielfältig werden kann. „Manchmal bin ich selbst erstaunt, was ich alles gemacht habe!“ Die Liebe zur Fotografie erbt er von seinem Vater. Auch das Reisen fasziniert den jungen Willibald: erst mit der Familie, Fahrrädern und einem Zelt, später mit der Vespa. Für die Vespa-Zeitschrift entstehen die ersten Reiseberichte: „Dann hat sich das so entwickelt.“
Nach einer Malerlehre eröffnet der Bielefelder seinen eigenen Malerbetrieb, der ihn finanziell trägt. Gemeinsam mit einem Freund dreht er schließlich in Spanien seinen ersten Super-8-Film. „Das meiste habe ich mir selber beigebracht“, erzählt Willibald Bernert, der auch das Schneiden, die Vertonung sowie die Texte selbst übernimmt. Weitere Filme folgen, und die Erfolge lassen nicht lange auf sich warten: „Ich habe meine Filme zu Festivals geschickt und direkt den ersten und zweiten Platz abgeräumt. Das hätte ich nicht gedacht.“ Bald dreht er Filme für nationale sowie internationale Fernsehanstalten.
Zum Tauchen kommt er wiederum über einen Freund, der ihm die Unterwasserwelt der Bahamas schmackhaft macht. „Ich hatte doch gar keinen Tauchschein!“, erinnert sich Bernert. Auf die Bahamas fliegt er trotzdem und entdeckt beim Schnorcheln seine Faszination für das Leben unter Wasser. „Zu Hause in Bielefeld habe ich meinen Tauchschein gemacht. Dann ging es zurück auf die Bahamas, wo ich den ersten Unterwasserfilm gedreht habe.“ Sein größter Erfolg als Filmemacher? „Zweimal wurde ich zum weltweit bekanntesten Unterwasserfestival in Luzern eingeladen. Als Amateur gemeinsam mit den besten Tauchfilmern der Welt genannt zu werden, hat mich sprachlos gemacht!“
Besonders Haie und die vom Aussterben bedrohten Meeresschildkröten haben es Willibald Bernert angetan. Vor 6,5 Millionen Zuschauern taucht er in der Sendung WWF-Club in einem Haibecken, um auf die Haiforschung aufmerksam zu machen. Die Umsetzung bei „Wetten, dass …?“ scheitert nur an räumlichen Schwierigkeiten. Über und unter Wasser erkundet er die Welt, verwirklicht ein schier unvorstellbares Ausmaß an Beiträgen für Film, Rundfunk und Printmedien, veröffentlicht den Bildband „Gesichter dieser Welt“. Ein Herzensprojekt ist ihm auch der Schutz der Meeres-schildkröten: „Zu meinem Film ‚Sepps Schildkröten‘ habe ich alle Restaurant-Besitzer aus OWL ins Kino eingeladen. Danach haben alle die Schildkrötensuppe von ihrem Speiseplan verbannt.“
Wer so viel reist, sieht auch viel Armut. Bernert sammelt Spenden, unterstützt soziale Projekte, produziert die World-Music-Charity-CD „Faces of the World“ in Anlehnung an seinen Bildband für die bekannte Stiftung von Peter Maffay, mit dem ihn eine langjährige Freundschaft verbindet. Kneipenbücher; Lesungen und mehr halten den 86-Jährigen bis heute fit. Ob man für ein so be-wegtes Leben mutig sein muss? „Auf jeden Fall“, sagt er lachend. „Und auch ein bisschen ver-rückt!“





