Image
Image
01714103518
jenny@dein-teuto.de

JONAS SCHLINGMANN

HEIMATMENSCH

Jonas Schlingmann will „den Menschen etwas geben“. Von JU bis Kirche findet er dafür viele Wege.

 

Er ist jung, engagiert, kommunikativ – und blind. Zwischen Studium und Nebenjob, Sport, Familie und Freunden investiert der 22-Jährige viel Zeit und Energie in ehrenamtliche Tätigkeiten: nicht „trotz“ oder „wegen“ seiner Behinderung, sondern ganz selbstverständlich mit ihr. „Ich mache das als ‚Jonas aus Halle‘ – nicht als ‚der Blinde aus Halle‘“, stellt er klar.

 

Von Geburt an ist Jonas Schlingmann auf einem Auge blind, das andere hat eine Sehkraft von fünf Prozent. Im Alter von zehn Jahren erblindet er vollständig. „Natürlich war das nicht immer einfach“, sagt der Haller. „Aber mit viel Hilfe von meiner Familie hat mich dieser Weg auch sehr positiv geformt und selbstständig gemacht.“ Heute wohnt er in seiner eigenen Wohnung, ist mit Langstock und öffentlichen Verkehrsmitteln unterwegs, steht kurz vor dem Abschluss seines Jura-Studiums an der Uni Bielefeld, arbeitet dort als wissenschaftlicher Mitarbeiter. „Ich muss nicht sehen können, um glücklich zu sein“, fasst er zusammen. Glück bedeutet für Jonas Schlingmann vielmehr, ein erfülltes Leben zu führen, mit sich und seinem Umfeld zufrieden zu sein. Genau daran arbeitet er mit einem Elan, der fast ein wenig neidisch macht.

 

Seit seiner Jugend engagiert er sich ehrenamtlich in der Kirche, zum Beispiel bei Ferienfreizeiten. Seit 2023 ist der junge Mann Mitglied im Kirchenvorstand in Halle, wo er heute als Vorsitzender im Bereich Kinder- und Jugendarbeit seine persönlichen Stärken einbringt: „Die ‚coolen‘ Sachen, etwa zusammen Fußball zu spielen, können gern andere machen. Das ist wegen meiner Beeinträchtigung sowieso nicht das Richtige für mich. Ich bringe mich bei der Verwaltung und Organisation ein. Das macht mir Spaß und ich mag die Connections, die man darüber bekommt.“

 

Auch sein politisches Interesse ist „schon immer da.“ Die Entscheidung, aktiv zu werden und Anfang 2026 sogar den Ortsvorsitz der Jungen Union Halle zu übernehmen, fällt er ganz bewusst. „Sich über die Politik aufzuregen, ist das eine, sich selbst einzumischen das andere“, erklärt Jonas Schlingmann. „Insbesondere aktuelle Entwicklungen wie der Krieg in der Ukraine haben dazu geführt, dass ich, zumindest im lokalen Umfeld, Dinge mitgestalten möchte. Außerdem möchte ich Politik auch für junge Menschen interessant machen und zeigen, dass sie nicht nur im fernen Berlin, sondern direkt hier in unserer Nachbarschaft passiert.“

 

In seiner Freizeit fährt der Student Tandem – einmal im Jahr sogar bei mehrtägigen Touren um den Bodensee, an der Nordsee etc. – schwimmt, reitet, trifft sich mit Freunden. Seine Behinderung kann ihn dabei nicht ausbremsen – im Gegenteil: „Oft ist das auch ein Türöffner. Ich komme schnell mit den Menschen ins Gespräch, zum Beispiel, wenn mich jemand vor der Mülltonne auf dem Gehweg warnt.“ Ob er sich manchmal wünscht, sehen zu können? „Eigentlich nie“, antwortet er und lacht. „Dann müsste ich ja alles wieder neu lernen, lesen zum Beispiel. Mit der Blindenschrift und Vorleseprogrammen klappt das heute wunderbar.“

 

Neben seiner Familie unterstützt den 22-Jährigen im Rahmen der Eingliederungshilfe ein vierköpfiges Team in Haushalt, Alltag und Studium. Und wieder ist es Jonas Schlingmann wichtig, etwas zurückzugeben: Er informiert und forscht rund um Inklusion, Teilhabe und das barrierefreie Jura-Studium. Per Eigeninitiative zu einem glücklichen Leben also – für sich und a