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INTERVIEW AUGUST

Wenn die Vespafreunde Bielefeld-Senne Ende August zu einer zweiwöchigen Reise nach Polen aufbrechen, dann ist das weit mehr als nur ein Urlaub. Was die große Ausfahrt mit europäischen Werten zu tun hat, warum die Vespa dafür das perfekte Fortbewegungsmittel ist und wieso sich die 13 Teilnehmenden als „Botschafter“ verstehen, erzählt uns ihr Präsident Andreas Kimpel im Interview.

Herr Kimpel, was ist das Besondere an der Vespa? Warum reisen Sie nicht schnell und bequem mit Bus oder Flugzeug?

Die Vespa ist traditionell ein Symbol für die Völkerverständigung. Als eines der ersten Verkehrsmittel in Italien nach dem Zweiten Weltkrieg hat sie die Menschen wieder zusammengebracht. Bis heute ist sie eine Art Brückenbauer: Die Vespa ist einfach sympathisch, man kommt schnell ins Gespräch. Außerdem ist sie das optimale Verkehrsmittel für ein entschleunigtes Reisen, das zu Begegnungen und neuen Bekanntschaften einlädt.

Die Vespa als Fortbewegungsmittel ist also kein Zufall – und das Reiseziel Polen ebenso wenig?

Richtig. In unserer Satzung ist fest verankert, dass wir uns für die Völkerverständigung und den Zusammenhalt in Europa engagieren wollen. Dazu zählt eine enge Vernetzung mit den Bielefelder Partnerstädten. Eines der Ziele unserer Reise ist deshalb Rzeszów, die polnische Partnerstadt Bielefelds, ein weiteres die Gütersloher Partnerstadt Grudziądz. Für den Zeitpunkt des Projektes gibt es im Wesentlichen zwei Anlässe: das 35-jährige Jubiläum der Städtepartnerschaft zwischen Bielefeld und Rzeszów sowie den 35. Jahrestag der deutsch-polnischen Freundschaftsverträge.

Was genau ist nun die Motivation für Ihre Reise und welche Stationen sind geplant?

In Kooperation mit der Deutsch-Polnischen Gesellschaft Bielefeld, deren stellvertretender Vorsitzender Gregor Suchy uns auch auf der Reise begleitet, wollen wir Europa im wahrsten Sinne „erfahren“: bewusst langsam und mit zahlreichen Begegnungen entlang des Weges. Gerade heute, angesichts vieler europakritischer und nationalistischer Tendenzen, wollen wir als „Botschafter“ die Stärken und Werte unserer Gemeinschaft – Freiheit, Zusammenhalt und eine partnerschaftliche Zusammenarbeit – in den Mittelpunkt rücken. Wir möchten zeigen, dass Europa nicht in Brüssel beginnt, sondern zwischen Menschen – und manchmal auf zwei Rädern.

Die rund 2.800 Kilometer lange Route führt uns unter anderem auch nach Breslau, Auschwitz und Krakau. Unterwegs sind Gespräche, Workshops, Gedenkstättenbesuche und gemeinsame Aktivitäten mit polnischen Kulturakteuren, Vereinen, Jugendlichen sowie lokalen polnischen Vespa-Clubs geplant.

 

Spätestens beim Stichwort „Auschwitz“ wird deutlich, dass das Projekt Ihrer Vespafreunde Senne auch die dunkelsten Kapitel unserer Geschichte thematisiert.

Unbedingt! Umso bedeutsamer ist es für uns, zur Stärkung der deutsch-polnischen Beziehungen, dem Abbau von Vorurteilen und der Vermittlung von historischem Wissen als Grundlage für eine verantwortungsbewusste Zukunftsgestaltung beizutragen. Miteinander ins Gespräch zu kommen, ist dabei der wichtigste Schritt. Wir sind sehr froh, dass wir bei diesem Projekt vom Europaministerium des Landes NRW und von der Stiftung für Deutsch-Polnische Zusammenarbeit gefördert werden. Auch die Stadt Bielefeld unterstützt unser Engagement. Unsere Oberbürgermeisterin Dr. Christiana Bauer wird unsere Gruppe bei der Abreise erfreulicherweise am Alten Rathaus verabschieden.

 

Wer an Ihren Erfahrungen teilhaben möchte, hat dazu während und nach der Reise verschiedene Möglichkeiten. Was ist da geplant?

Während unserer „Freundschaftsreise“ werden wir über verschiedene Social Media-Kanäle aktuelle Bilder und Infos teilen. Außerdem entsteht als Gemeinschaftsprojekt unserer Gruppe eine mobile Ausstellung mit zwölf bis 14 Roll-Ups, mit deren Hilfe wir unsere Reise, die Themen und Begegnungen vorstellen sowie zum Gespräch einladen wollen. Die Ausstellung wird voraussichtlich zum Ende dieses Jahres fertig sein und etwa in Rathäusern, Volkshochschulen, Bibliotheken und bei Deutsch-Polnischen Gesellschaften gezeigt werden. Auch eine Dokumentations-Broschüre ist in Planung. Unser Projekt soll zeigen, dass Europa manchmal vielleicht langsam fährt – aber es kommt gemeinsam ans Ziel!