Nur echt aus Steinhagen: Neben dem in der Gemeinde gebrannten Steinhäger trifft das wohl auch auf Herbert Mikoteit zu. Als langjähriger Vorsitzender des Schwimmclubs und des Sport-rings sowie als ehemaliges CDU-Ratsmitglied ist er seit jeher vielfältig engagiert. 2025 über-nimmt der 78-Jährige den Vorsitz des Vereins Historisches Museum Steinhagen e. V. Darüber und über die Bedeutung von Heimat sprechen wir im Interview.
Herr Mikoteit, Sie sind Vorsitzender des Museumsvereins und auch Stadtführer. Was bedeuten Ihnen Steinhagen und die Bewahrung der Geschichte?
Seit meinem vierten Lebensjahr ist Steinhagen mein Zuhause. Ich bin im Waldbad und im örtli-chen Schwimmclub groß geworden, habe dort später meine Frau kennengelernt. Unsere drei Söhne sind hier zur Schule gegangen, und ich war vom Sport bis hin zur Politik immer in der Gemeinde engagiert. Ich lebe sehr gerne hier und stelle meine Heimat gern auch anderen Men-schen vor. Theodor Heuss hat einmal gesagt: „Nur wer weiß, woher er kommt, weiß, wohin er geht.“ Für mich ist das die Aufforderung, unsere Geschichte lebendig zu halten und weiterzuge-ben.
Was erwartet die Besucher im Historischen Museum Steinhagen? Haben Sie ein persönliches Highlight?
Für mich ist das gesamte Museum ein Highlight! Mit historischen Brenngeräten und den dazuge-hörigen Utensilien bieten wir auf dem Gelände der ehemaligen Brennerei Schlichte Einblicke in die traditionelle Herstellung des weltberühmten Wacholderbranntweins. Darüber hinaus prä-sentieren wir eine historische Apotheke, „Tante Paulas“ Laden, Dokumente und Literatur zur Geschichte des Steinhägers sowie Steinhagens und vieles mehr. Bei unseren Führungen erfahren die Besucher auch Kurioses. Zum Beispiel, dass die ehemalige Brennerei Jückemöller eine Zeit lang einen kleinen Stein in jede Steinhäger-Kruke gegeben hat. Der Slogan dazu lautete: „Der Echte mit dem Stein“.
Steinhagen ist ja viel mehr als „nur Schnaps“ – aber was wäre die Gemeinde ohne ihn? Und mö-gen Sie selbst mal ein Gläschen Steinhäger?
Der Steinhäger hat unser Dorf weltweit bekannt gemacht. Neben der Spirituosenindustrie ge-hörten aber auch das metallverarbeitende Gewerbe, die Textilindustrie sowie zwei Möbelfabri-ken zu den bestimmenden Gewerbezweigen. Und ja, natürlich trinke ich selbst gerne mal einen bei uns im Museum hergestellten Museumsbrand. Warum, meinen Sie, bin ich sonst Vorsitzen-der geworden? (lacht)
Der Schnaps spielt auch bei der Finanzierung des Historischen Museums eine Rolle?
Das ist richtig. Die Gemeinde übernimmt Miete und Nebenkosten, außerdem erhalten wir Spenden, Mitgliedsbeiträge und Erlöse aus den jährlich rund 50 Führungen. Darüber hinaus er-zielen wir Einkünfte aus der Herstellung eigener Liköre und Schnäpse, die direkt im Museum produziert werden und sich gut verkaufen. Zu besonderen Anlässen kreieren unsere Destillateu-rin Anne Untied und unser Brennmeister Horst Feye immer eine neue Spezialität.
Apropos besondere Anlässe: Im September besteht das Museum seit 30 Jahren. Wie wird ge-feiert und was wünschen Sie sich für die Zukunft?
Unser 30-jähriges Jubiläum begehen wir im Rahmen einer Feierstunde, bei der erstmalig auch ein eigens hergestellter neuer Steinhäger nach altem Steinhagener Rezept ausgeschenkt und verkauft wird. Für die Zukunft wünschen wir uns, dass Rat und Verwaltung der Gemeinde uns auch weiter finanziell unterstützen, unsere Spender zu uns stehen und wir weiterhin Menschen für Führungen interessieren können. Außerdem hoffen wir darauf, dass unserer Destillateurin und unserem Brennmeister nie die kreativen Ideen für neue Spirituosen ausgehen. Zuletzt sind wir wie jeder Verein natürlich dankbar für Mitglieder sowie aktive Helferinnen und Helfer. Der Nachwuchs spielt dabei ebenfalls eine große Rolle. Auch junge Leute begeistern sich für unser Museum. Leider sind sie aus familiären oder beruflichen Gründen aber oft „nur“ zahlende Mit-glieder und können nicht konkret mit anpacken. Beim Verein Historisches Museum Steinhagen ist jeder herzlich willkommen.